Iranische Minderheiten

Die Araber im iranischen Khuzestan – Ein kurzer Überblick

Geschichte
Die Anzahl der Ahwazis, der Araber im iranischen Khuzestan, wird auf 4.5 Millionen Menschen geschätzt. Khusestan war bis 1925, als die iranische, damals die persische Regierung ihre Herrschaft dort festigte, ein autonomes Emirat.
Nach dem Sturz von Schah Mohammad Reza Pahlavi 1979 folgte das theokratische Regime des Ayatollah Khomeni. Diese antimonarchistische Revolution änderte nichts an der Situation der ethnischen Araber in Khuzestan, wie auch der Kurden, Belutschen, Turkmenen und Azeris.
Die Ahwazis sprechen einen den Südirakern ähnlichen arabischen Dialekt. Konfessionell sind sie aber keine Schiiten, sondern Sunniten.

Menschenrechte
Mit einem erzwungenen Bevölkerungsaustausch versuchte das Regime Khuzestan zu „iranisieren“. Grund und Boden der einheimischen Ahwazis wurde beschlagnahmt und auf persische Siedler übertragen, die jetzt 30 % der Bevölkerung Khuzestans ausmachen.
Von 1979 an beschlagnahmte die Regierung über 200,000 Hektar Land. Dieses Vorgehen diente dazu, die ethnische Zusammensetzung der Provinz aufzubrechen und zu verändern.
Die iranische Obrigkeit erlaubt keine unabhängigen arabischen Medien in Khuzestan. Statt dessen führt sie eine systematische Hass- und Verleumdungskampagne gegen die einheimischen Ahwazis in den iranischen Medien.


Verteilung von Reichtum
Das Heimatland der Ahwazis ist eine der reichsten Regionen im Mittleren Osten. Sie produziert 90 % des iranischen Erdöls und enthält ungefähr 8 % der Ölreserven der Welt. Außerdem wird in Khuzestans fruchtbarer Erde auch ein anderes wichtiges Exportprodukt angebaut, Zuckerrohr.
Obwohl die Provinz das Rückgrat der iranischen Wirtschaft ist, leben die einheimischen Ahwazis in Armut und ohne den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Während die Rate von Analphabetentum im Iran bei ungefähr 10 -18 % liegt, beträgt sie über 60 % bei arabischen Männern in Khuzestan und liegt noch höher bei Frauen aus Ahwaz. In ländlichen Gebieten wie Fallahieh (Shadegan) beträgt das Analphabetentum unter Frauen nahezu 100 %. Einheimische Ahwazi-Schüler scheiden zu 30 % aus der Grundschule, zu 50 % aus der Mittelschule und zu 70 % aus der Oberschule aus, weil sie gezwungen werden, in der "offiziellen Sprache", Farsi, zu studieren, eine Sprache, die für sie eine fremde Sprache ist.
Gesundheit
Die Einwohner der von Krieg zerrissenen arabischen Städte Khafajieh, Falahieh (Shadegan) und Susangard leiden ungewöhnlich häufig an Haut-, Herz- und Nierenkrankheit. Der Grund hierfür ist kontinuierliche Lagerung und Verwendung von chemischen und biologischen Materialien und anderen Schadstoffen aus dem Krieg. Die Regierung hat nichts unternommen, um diese Situation zu beheben. Auch bei der Versorgung werden die Menschen in Khuzestan benachteilig. In der Provinz sind 80% der Kinder unterernährt.


Wirtschaftliche Benachteiligung
Die Arbeitslosenquote in der Stadt Dezful, mit persischer Mehrheit, beträgt 7 %, während sie in den Städten Abadan und Khorramshahr, mit arabischer Mehrheit, 31 % beziehungsweise 50 % ausmacht.
Araber werden sowohl im Öffentlichen- als auch im Privatsektor diskriminiert. Khuzestans Kommerz-, Dienstleistungs- und Industriesektoren sind hauptsächlich in der Hand von Nicht-Arabern. Auch bei der Besetzung von Verwaltungsposten werden die Araber benachteiligt. 70 % der Bevölkerung von Khuzestan, die Araber, haben weniger als 5 % der Schlüssel- und Regierungspositionen inne.

Diskriminierung ist auch im religiösen Leben der islamischen Republik offenkundig. In den Städten Abadan (65-70 % Araber), Ahwaz (75 % Araber) oder Khorramshahr (85 % Araber) ist kein einziger arabischer Freitag-Imam zu sehen.

Arabern aus Ahwaz wird ein gleichberechtigter Zugang zu Erziehung und Gesundheitsfürsorge verwehrt, während die Behörden Khuzestans von nichtarabischen Iranern dominiert werden - trotz der Tatsache, dass Araber aus Ahwaz die größte ethnische Gruppe in der Provinz darstellen. Die arabische Bevölkerung von Ahwaz erleidet mehr Ungemach, Armut, Analphabetentum und Arbeitslosigkeit als der nationale Durchschnitt, obwohl sie in einer Provinz einheimisch ist, die die Grundlagen der iranischen Wirtschaft bildet.
Den Arabern in Khuzestan werden gesellschaftliche Anstiegsmöglichkeiten verweigert. Die Ahwazi-Araber leben in Stadtgebieten in Slums. In Ahwaz City sind die notorischsten Elendsviertel Shekarabad, Shilingabad, Akhar-e-Esfalt, Zirgan, Pich-e-Kazami, Ameri, Kut-e-Abdollah und Hasirabad. Diesen Gebieten fehlen die meisten der Alltagsnotwendigkeiten wie sanitäre Anlagen, Elektrizität, Telefon, Bürgersteige, Straßenbeleuchtung, öffentlicher Transport, Kanalisation, Schulen, Krankenhäuser, Geschäfte und Parks. Die Bedingungen in den Elendsvierteln stehen in krassem Gegensatz zu den Bedingungen in den nichtarabischen Gebieten von Ahwaz City. Die Entbehrungen, die in den arabischen Gebieten von Ahwaz herrschen, bewirken, dass es immer wieder zu Unruhen kommt.


Militarisierung
Die Ahwazi-Frage ist von großer Bedeutung für die geopolitische Sicherheit und Stabilität. Das iranische Regime hat sein Bestes getan, um jeden Aufstand von den Ahwazis im Keim zu ersticken, indem man das Gebiet zur militärischen Zone erklärte. Internationalen Beobachtern, einschließlich der Medien, ist es verboten, die Region zu betreten. In den letzten Jahren hat der Iran den Belagerungszustand durch massive Militarisierung von Khuzestan verstärkt. Entsprechend dem Bericht von Human Rights Watch "töten und verstümmeln Millionen von Landminen, die vom Iran-Irak-Krieg übrig geblieben sind, jeden Tag einheimische Bewohner von Khuzestan im südwestlichen Iran". Khuzestan wird jetzt dazu benutzt, um terroristische Angriffe innerhalb des Irak zu begehen. Dabei nutzen die Proiranischen Gruppen Khuzestan, um von dort aus die irakische Nachbarprovinz Basra zu infiltrieren und Mordanschläge, Entführungen sowie Bombenanschläge durchzuführen.





Zusammengestellt von
Dr. Kamal Sido, Nahostreferent GfbV

Quellen: www.alahwaz.de
www.ahwazstudies.org