10.Munzurkulturfestival

 Kommentar

Wenig kulturelle Vielfalt des Dersim - viel kurdisch-revolutionärer Klamauk und Propaganda

 Auf dem neugestalteten Freiheitsplatz von dersim ( Tunceli) sitzt  nun ein  etwas kitschiges Abbild  von Said Riza (zazaisch: Sey Rıza, kurmanci: Seyîd Riza, türkisch: Seyit Rıza; * 1862 im Dorf Derê Arí (Mühlendorf) im Landkreis Ovacık in Dersim (heute Tunceli); † 18. November 1937 in Elazığ) der am 16.11.1937als  geistlicher Anführer aus Dersim in Elazig erhängt  wurde und mit dessen Hinrichtung der Genozid 38  an den Dersimern begann. Nun ist in der Türkei das Gedächtnis an Hingerichtete und besonders an Said Riza verboten, sodass das Aufstellen des Denkmals ein sofortiges Verbot durch den Gouverneur und die bevorstehende Beseitigung auslöste. Die 4 Tage des Munzurfestivals hat die Statur überstanden und avancierte zum allgemeinen beliebten Fotopoint. Das Festival selbst hat sich auch sehrr verändert. Aus dem  Kulturfestival der letzten Jahre mit kritischen Podiumsdiskussionen über die Minderheitenrechte, Dersim-Geschichte, Sprachenvielfalt, kulturelle Identität und aktuelle Politik ist ein von der BDP dominiertes Politspektakel zugunsten der PKK geworden. Während in den kurdischen Großstädten täglich Straßenschlachten, Tote und Verhaftungen gemeldet werden konnte     in dieser wohl letzten „freien“ Enklave Tunceli unter einer sehr zurückgezogenem Militärpräsenz eine prokurdische politische  Proklamation stattfinden. Die BDP Bürgermeisterin als Veranstalterin hat leider deshalb aus dem Kulturprogramm der letzten Jahre mit großer Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen eine einseitige Politveranstaltung gemacht. Die jungen Menschen kamen aus den kurdischen Großstädten und waren begeisterte Teilnehmer besonders des 4-tägigen Musikprogramms, das jedoch von einem jungen Mann in PKK-Kampfanzug moderiert wurde und überwiegend in kurdischer Sprache  gefangen blieb. Für die zahlreich angereisten Dersimer und die Einheimischen zazasprechenden Aleviten war dieses Festival deshalb eine große Enttäuschung , ja, eine Provokation. An den Vorbereitungen zu dem Festival waren ihre Vertreter ohnehin nicht mehr eingeladen worden. Schade um ein Festival , was zu einer großen gemeinsamen Veranstaltung geworden war und gerade deshalb so viele Besucher aus Deutschland und Europa anlockte.

Aus Dersim: Christian Zimmermann